Glashütte - Tradition verpflichtet

Glashütte – eine sächsische Kleinstadt im Osterzgebirge unweit von Dresden – gilt weltweit als Mekka feinster deutscher Uhrmacherhandwerkskunst. Zahlreiche, national und international anerkannte Manufakturen und Unternehmen haben heute hier ihren Sitz.

Der Name C. H. Wolf geht zurück auf die 1868 durch Carl Heinrich Wolf gegründete Turmuhren-Fabrik, die ab 1872 in der Feldstraße 2 unter anderem Großuhren für Kirchen und Schulen herstellte. Ab der Jahrhundertwende führten Wolfs Söhne die Geschäfte weiter und unterzogen die Fabrik umfangreichen Modernisierungsmaßnahmen.

Seit Mai 2016 ist Hendrik Klein der neue Geschäftsführer der Uhrenmarke C.H.Wolf und arbeitet am Aufbau der feinen Manufaktur zusammen mit einem Team von 5 leidenschaftlichen Uhrenexperten. Nach umfangreichen Sanierungsarbeiten am historischen Fabrikgebäude lassen sie im Jahr 2014 sowohl das Fabrikgebäude als auch die Marke C. H. Wolf wieder aufleben. Mit einzigartigen Uhren-Kreationen verbindet das Unternehmen heute Tradition und Moderne mit Glashütte-typischen Werten. 

  

Manufaktur heute

Manufaktur um 1900
 
 

1168

Erstes Silbererz wurde entdeckt

1490 findet man auch in der Gegend dieses Städtchens große Erzvorräte – etwa 40 Kilometer von dem Ort entfernt, wo 1168 das Silbererz entdeckt wurde. Die Glasherstellung verliert allmählich an Bedeutung, und das Zeitalter des Bergbaus und des florierenden Handwerks bricht an.

 
1445

„Glaßehutte“ zum ersten Mal urkundlich erwähnt

Eine „Glaßehutte“ bezeichnet eine Produktionsstätte („Hutte“) für das damals faszinierende transparente Material Glas („Glaß“). 1445 wird „Glaßehutte“ zum ersten Mal urkundlich erwähnt.

 
1540

Die Geburtsstunde der Uhrmacherkunst

Es ist heute nicht möglich, eine eindeutige Geburtsstunde für die Uhrmacherkunst anzugeben. Es ist aber bekannt, dass sich schon 1540 als Keimzelle einer ordentlichen Zunft die erste Uhrmachervereinigung in Deutschland bildete – und zwar in Dresden. Diese ersten Uhrmacher gehörten noch zur Innung der Kleinschmiede; denn ursprünglich waren es Schmiede und Schlosser, die Zeitmesser herstellten.

 
1560

Kurfürst August

Es war Kurfürst August (1526–1586), der Sachsen mit machtpolitischem Ehrgeiz sowie mit zahlreichen Verordnungen und Reformen zum Aufschwung verhalf. Wie viele Monarchen dieser Zeit, entdeckte auch er seine Sammelleidenschaft. 1560 gründete er in Dresden eine Kunst- oder „Wunderkammer“: Sie sollte mit allem gefüllt werden, was ihn und seine Nachkommen faszinierte. Darunter waren Bilder, Waffen und Schmuck, Kunsthandwerk, Kuriositäten und Gebrauchsgegenstände – aber auch mechanische, astronomische und vermessungstechnische Instrumente. Diese Kunstkammer bildete den Grundstock für weitere Sammlungen und für das 1729 ausgegliederte „Königliche Cabinet der mathematischen und physikalischen Instrumente“, das unter Johann Gottfried Köhler so wichtig für die Entwicklung der Präzisionszeitmessung werden sollte.

 
1708

Porzellan - das „Weiße Gold“

Erfunden wurde das „Weiße Gold“ in China – und bereits Marco Polo brachte erste Berichte über ein besonders edles, weißes Material mit nach Italien. Doch erst 1708 gelang es Johann Friedrich Böttger und Ehrenfried Walther von Tschirnhaus, das erste europäische Porzellan herzustellen: in der Stadt Meißen bei Dresden. Zwei Jahre später entstand dort auf der Albrechtsburg eine Porzellanmanufaktur, die weltbekannt wurde.

Als „August der Starke“ prägte er die sächsische Geschichte wie vielleicht kein Zweiter: Prinz Friedrich August I. von Sachsen (1670–1733) inszenierte sich nicht nur als absolutistisch strahlender Herrscher. Er verfolgte seine Ziele sehr konsequent, und sein Maßstab war stets die Perfektion. Das zeigten der gezielte Verwaltungsaufbau und die geschickte Wirtschaftspolitik – ebenso wie Augusts Förderung von Kunst, Architektur, Handwerk und Wissenschaft. Diese ausgeprägte Leidenschaft konnte entstehen, weil er als Zweitgeborener ursprünglich gar nicht für den Thron vorgesehen war. Der junge sächsische Prinz ließ sich deshalb zunächst staunend auf die Welt des Adels ein. Auf seiner „Kavalierstour“ reiste er im Alter zwischen 17 und 19 Jahren inkognito als Graf von Meißen durch ganz Europa und lernte das Leben an allen bedeutenden Höfen kennen und lieben. Als sein älterer Bruder starb, trat Friedrich August mit 24 überraschend doch das Amt des Kurfürsten an.

August der Starke setzte weithin sichtbare Zeichen: Er verwandelte das Renaissance-Städtchen Dresden in eine imposante barocke Hochburg für Kunst und Kultur. Er gab den Auftrag zum Bau von Frauenkirche und Japanischem Palais sowie zur Erweiterung des Zwingers. Das Land verliebte sich in das Theater und in die Musik. In dieser Zeit wurde auch das Hartporzellan erfunden und die staatliche Manufaktur in Meißen gegründet. August der Starke feierte legendäre, aufwendige Feste, die sich manchmal über mehrere Monate erstreckten.

August war ein begeisterter und manchmal überschwänglicher Kunstliebhaber und -sammler. Das berühmte Werk „Hofstaat zu Delhi am Geburtstag des Großmoguls Aureng-Zeb“ des Goldschmieds und Hofjuweliers Johann Melchior Dinglinger war mit 60.000 Talern so teuer, dass es dem heutigen Wert von 1,2 Millionen Euro entspräche. August der Starke konnte die Summe nicht sofort aufbringen – sondern musste sie fünf Jahre lang abbezahlen. Doch August sammelte Kunst nicht nur für sich allein: 1724 machte er das Grüne Gewölbe den Bewohnern und Besuchern der Stadt öffentlich zugänglich.

Die von Kurfürst August 1560 gegründete Kunstkammer war inzwischen voll mit Sammelstücken. Außerdem wurde in dieser Sammlung die Vielfalt und Unordnung, die man früher gerade interessant gefunden hatte, den neuen wissenschaftlichen Ansprüchen nicht mehr gerecht. Also ließ August der Starke zunächst die Gemälde aussortieren – und reservierte 1728 im Obergeschoss des Dresdner Zwinger-Pavillons Räume für ein spezielles „Mathematisches Instrumenten-Cabinet“. Neben Erd- und Himmelsgloben, astronomischen und geodätischen Geräten, Barometern, Thermometern und detailreich verzierten Instrumenten zum Rechnen, Zeichnen und für Messungen aller Art gehörten von Anfang an schon Sonnenuhren zu den Prunkstücken des „Cabinets“.

Doch die weltberühmte Sammlung ist wesentlich älter. Erstmals wurde der Bestand im Jahr 1587 für Christian I. inventarisiert: Tausende Einzelobjekte, darunter auch Uhren, waren zu diesem Zeitpunkt Teil des Inventars. Kurfürst August muss es gewesen sein, der sich von Anbeginn um kunstvoll verzierte Objekte bemühte, der die Objekte sogar nutzte und sie teilweise in seinen Privatgemächern aufbewahrte. Er war es vermutlich auch, der um 1560 Eberhard Baldewein beauftragte, eine heute nach dem Erbauer benannte „Baldewein-Uhr“ zu fertigen. Mehr als zwei Jahrhunderte später, um 1800, zählte man den Bestand des „Cabinets“ noch einmal: 1800 Objekte, darunter 35 mechanische Uhren.

 
1844

Carl Heinrich Wolf

Carl Heinrich Wolf wurde am 27. Juli 1844 in Reinholdshain (Dippoldiswalde) geboren. Er war verheiratet mit Marie N.N.. In Glashütte besuchte er die Volksschule.

 
1845

Der erste Uhrmacher in Glashütte: Ferdinand A. Lange

Im Jahr 1845 ließ sich als erster Uhrmachermeister der Sachse Ferdinand Adolph Lange in Glashütte nieder. Er folgte damit einem Aufruf der königlich-sächsischen Regierung, von der er 7‘800 Taler (aus Silber von Joachimstal hergestellt, 1 Taler = 3 Reichsmark, Taler ist der Ursprung des heutigen Dollar) Anschubfinanzierung erhielt. Lange begann mit der Ausbildung der ersten Uhrmacher. Trotz erheblicher Anfangsschwierigkeiten wurde ab etwa 1875 die Uhren- und Feinmechanische Industrie zum wirtschaftlichen Rückgrat der Stadt.

 
1858

Die Ausbildung von Carl Heinrich Wolf

Seine Mechanikerlehre absolvierte Carl Heinrich Wolf ab dem ersten Mai 1858 bei Wilhelm Kunath in Glashütte, einen der ersten Lehrlinge von Ferdinand Adolph Lange. Kenntnisse im Zeichnen bekam Heinrich von Moritz Grossmann vermittelt, wo seine Befähigung für konstruktives Arbeiten entdeckt und gefördert wurden.

 
1866

Turmuhren Fabrik

Mit 22 Jahren machte er sich als einer der jüngsten Unternehmer in Glashütte selbständig und gründete 1866 in Glashütte eine mechanische Werkstatt zur Herstellung von Thurmuhren- und Laufwerken, Telegraphenapparaten und Zahnstangen.

Nach den großen Bränden in Glashütte gegen Ende der 1860er Jahre erbaute er schräg gegenüber der Deutschen Uhr­macherschule, dem heutigen Uhrenmuseum Glashütte, neue Werkstätten für seinen Betrieb. Er ließ sich in 1871 in der Feldstraße 2 nieder. In der Hauptsache war die Firma Lieferant für Telegraphenapparate, Lauf- und Registrierwerke aller Art; zu den wesentlichsten Auftraggebern gehörte schon bald nach der Gründung auch die Berliner Großfirma Siemens & Halske, sowie viele andere der angesehensten Weltfirmen.
 
1883

Turmuhr der Ortskirche der Stadt Wehlen

Eine bekannte Turmuhr der Firma ziert seit 1883 die Ortskirche der Stadt Wehlen in der Sächsischen Schweiz. Die hier gezeigte Turmuhr der Stadtkirche von Wehlen wurde im Jahr 1883 von der Glashütter Firma „C. H. Wolf“ gefertigt. Beachtliche 130 Jahre ist die robuste Mechanik bereits in Betrieb und zeigt der Stadtgemeinde, was die Stunde geschlagen hat. Das Deutsche Kaiserreich, den 1. Weltkrieg, die Weimarer Republik, das 3. Reich, 1945 die Stunde null nach dem 2. Weltkrieg und die DDR hat sie überstanden. In der Bundesrepublik Deutschland wurde sie 1999 überholt und mit einem „Kräfte sparenden“ elektrischen Gewichtsaufzug nachgerüstet, der alle 6 Stunden, jeweils um 3, 9, 15 und 21 Uhr, auslöst. Jeweils beim letzten Stundenschlag wird ein Taster am Schlagwerk betätigt und die Gewichte werden nacheinander aufgezogen. Zwischen 22 Uhr 15 und 6 Uhr 45 werden die Hämmer, die den Stundenschlag ausführen, automatisch hoch gezogen um die Nachtruhe zu gewährleisten. Die Uhr befindet sich in einem hervorragenden Zustand und arbeitet zuverlässig, hoffentlich noch sehr lange, zur Freude der Wehlener Bürger und ihrer Gäste, die vor ihr liegende Zeit ab.

 
1885

Turmuhr der Dorfkirche der Stadt Possendorf

Die hier gezeigte, funktionstüchtige und im Original erhaltene Turmuhr der Firma „C. H. Wolf“ Nr. 71 aus dem Jahr 1885 zeigt noch heute nach 127 Jahren in der Dorfkirche von Possendorf (Bannewitz) im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge zuverlässig die Zeit an. Es handelt sich dabei um eine der wenigen noch erhaltenen Turmuhren aus Glashütter Fertigung.

 
 
1900

C. H. Wolf & Söhne/Glashütte

1900, zur Jahrhundertwende, legte Carl Heinrich Wolf die Geschicke der Firma in die Hände seines Sohnes Heinrich Georg Wolf. Als seine beiden Söhne Ottomar und Georg als Teilhaber in die Firma eintraten, firmierte das Unternehmen unter „C. H. Wolf & Söhne/Glashütte„. Die Familie Wolf wohnte im Haus Ortsl. Nr. 110 (heute Hauptstr. 18), auf dessen Grundstück sich dahinten auch die Werkstatt und später das Fabrikgebäude befanden. Mit der Verschmelzung der Werkstatt zur Fa. LIWOS verzog die Familie an den Standort der neuen Firma. Seine letzten Lebensjahre wohnte Carl Heinrich Wolf am Markt 17. Heute befindet sich im Stammhaus die Uhrenmanufaktur C. H. Wolf

 
1908

Fünfzigjährige Berufstätigkeit

Fünfzigjährige Berufstätigkeit feierte der „Herr Mechaniker und königliche Friedensrichter Carl Heinrich Wolf, Glashütte Begründer der Firma C. H. Wolf, Werkstatt für Feinmechanik“.

 
1925

Abschied von Carl Heinrich Wolf

Am 26. Juni 1925, im Alter von fast 81 Jahren, starb Carl Heinrich Wolf in Glashütte (Sa.). Einer der Hauptpioniere der Glashütter fein­mechanischen Industrie hatte sein arbeitsreiches Leben vollendet.

 
2016

Wiederbelebung der Marke C.H.Wolf

Wiederbelebung der Marke C.H.Wolf im gleichen Firmengebaeude mit der neu gegründeten CHW Glashütte in Sachsen GmbH

 

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